Nach dem Unfall hat ein neues Leben begonnen.

Frau Giersch wurde 1947 in Treysa bei Kassel geboren. Nach der Mittleren Reife machte sie eine Ausbildung als Kinderkrankenschwester. Schon mit 16 Jahren lernte sie ihren späteren Mann kennen,den sie mit 25 Jahren heiratete.

Renate Gierschs Leben war von vielen Umzügen geprägt: Erst ihr eigener beruflicher Weg und dann der ihres Mannes führte sie nach Korbach, Gießen, Köln, Mannheim, Wiesbaden, Wien und Bad Schwalbach. Ungefähr alle 3 bis 4 Jahre stand ein Umzug an und erforderte Abschied, neues Einleben und neue Kontakte.

Im Jahr 1976 wurde ihr Sohn geboren und 2 Jahre später ihre Tochter. Frau Giersch widmete sich neun Jahre lang ihrer Familie, bevor sie wieder arbeiten ging. Diese Jahre hat sie in bester Erinnerung: Sie war sportlich, spielte Tennis und fuhr Ski, und besuchte gerne das Theater. Doch 1997 nahm ihr Leben eine dramatische Wendung: Sie war mit ihrem Sohn im Auto auf dem Weg nach Greifswald, als sie am Steuer in einen Sekundenschlaf fiel und einen schweren Unfall verursachte. Als Frau Giersch nach drei Tagen aus dem Koma erwachte, konnte sie ihren Körper nicht bewegen. Ein Bruch des Halswirbels führte dazu, dass Frau Giersch querschnittsgelähmt blieb. Ihr Sohn blieb unverletzt.

An den Krankenhausaufenthalt schloss sich eine lange Zeit der Rehabilitation an, Renate Giersch musste alle Bewegungen wieder neu lernen. Heute kann sie ihre Hände wieder bewegen. Sie zog um in ein Wohnheim für Behinderte in Gladenbach, wo sie nicht nur lernte, mit dem Computer umzugehen, sondern sie machte auch Kunstkurse und entdeckte viel Freude an ihrer Kreativität. Im Nachhinein sagt Frau Giersch, dass sie nach dem Unfall ein neues Leben begonnen hat. Sie lebt heute viel bewusster und hat sich noch nie vorher so stark gefühlt wie heute. Musik, Freunde und Gemeinschaft wurden ihr wichtiger denn je.

“Ich habe mich noch nie so stark gefühlt wie heute.”
Frau Giersch

Seit 2002 lebt Frau Giersch in Gießen. Mit Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes wohnt sie wieder unabhängig alleine in ihrer Wohnung. Sie hat im künstlerischen Bereich ein erfüllendes neues Tätigkeitsfeld gefunden: Mit ihren Enkaustik-Kunstwerken hat sie an diversen Ausstellungen teilgenommen, u.a. mit dem Künstler Martin Schmandt. Sie hat viele tausende Grußkarten gestaltet!

Was die jungen Familien heute betrifft, beklagt Renate Giersch, dass die Leistung von Eltern in der Kindererziehung viel zu wenig gewürdigt wird. Kinder sind unsere Zukunft, und ihre Erziehung ist eine große und sehr wichtige Aufgabe. Sie findet es nicht richtig, dass Frauen geringgeschätzt werden, wenn sie ihre Kinder selber erziehen möchten, und dass es für Familien kaum möglich ist, mit einem Gehalt auszukommen. Jungen Frauen rät sie, nicht darauf zu hören, was die Gesellschaft von ihnen erwartet, sondern herauszufinden, was für sie selber gut ist.