Man ist mit 60 Jahren keineswegs zu alt ist, um dazuzulernen und umzudenken!

Marianne Meyer wurde 1936 in Osnabrück in Niedersachsen geboren. Sie wuchs als Einzelkind auf und war während des Krieges schon alt genug, um sich noch bewusst an die Angst und den Schrecken zu erinnern.

Nach der Mittleren Reife machte sie eine Ausbildung als Rechtsanwalts- und Notargehilfin. Ihr Lehrgeld betrug 30 DM im Monat – auch für damalige Verhältnisse ein besseres Taschengeld. Sie heiratete früh und bekam zwei Söhne, doch das Familienglück endete früh und plötzlich, als ihr Mann 1966 verunglückte.

Frau Meyer arbeitete zu dieser Zeit bei der Neuen Osnabrücker Zeitung als Assistentin des Chefredakteurs. Ihre berufliche Laufbahn nahm eine interessante Wendung, als sie 1970 mit ihrem zweiten Mann nach Hessen zog: Sie wurde Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros im Stadttheater. Doch wirklich stolz ist Frau Meyer darauf, dass sie mit 58 Jahren den Mut hatte, diese sichere Stelle aufzugeben, um das zu tun, wofür ihr Herz wirklich schlug. Alles, was mit Ernährung und Bewegung zu tun hat, begeistert sie, und so machte sie eine Ausbildung als Gesundheitstrainerin im Bereich Ernährung und wurde Übungsleiterin für Seniorengymnastik.

Aber auch gedanklich zeigt Marianne Meyer, dass man mit 60 Jahren keineswegs zu alt ist, um dazuzulernen und umzudenken! In diesem Alter begann sie nämlich, über Gleichberechtigung nachzudenken und im Frauenzentrum aktiv mitzuarbeiten. Sie erinnert sich daran, dass es früher völlig normal war, dass die Frauen im Haushalt für alles selber zuständig waren, und freut sich, dass sich in der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau so viel verändert hat. Gleichzeitig sieht sie aber auch die Notwendigkeit, aufmerksam zu sein und auf diesem Weg weiter fortzuschreiten. Als Kind aus einem Arbeiterhaushalt beobachtet sie, dass Frauen aus diesen Kreise viel weniger emanzipiert sind als Akademikerinnen.

“Das ist sehr wichtig: Eine gute Ausbildung oder studieren, um finanziell unabhängig zu sein.”
Marianne Meyer

Den Frauen der jüngeren Generationen rät sie, zunächst eine gute Ausbildung zu machen oder zu studieren, um finanziell unabhängig zu sein. Sie sollten auf ihre Gleichberechtigung achten und ihre Männer aktiv in Familie und Haushalt einbeziehen. Mit Bedauern beobachtet sie, dass Frauen heute stärker als früher von Schönheitsidealen bestimmt zu sein scheinen und die Bedeutung ihrer äußeren Erscheinung, verglichen mit Charaktereigenschaften wie Mut, Zielstrebigkeit und menschlicher Wärme, überschätzen. Frau Meyer selbst jedenfalls geht mit gutem Beispiel voran, indem sie bewiesen hat, dass man auch im Alter noch einmal ganz neue Wege einschlagen kann!