Wir hatten im Mai 2018 die Ausstellung “Gießener Frauengeschichten”, die ein großes Publikum anzog. Das Projekt, Frauen ab 70 Jahren eine Stimme zu geben, wird fortgeführt. Das beschlossen die Teilnehmerinnen eines Frauentreffens unter Leitung der Fotografin Katrin Dammann im Café Siebenkorn. Mit dabei auch Frederike Stibane (Büro für Frauen und Gleichberechtigung).

Was gefällt den Teilhemerinnen an dem Projekt? Was haben sie erlebt, als sie nach ihrer Geschichte befragt wurden, fotografiert wurden und mit ihrer Geschichte in die Öffentlichkeit gingen?

Und plötzlich ist Frau Zeitzeugin: Als ich von Gisela Cordes gefragt wurde, ob ich zu einem Interview bereit wäre, sagte ich spontan zu. Als ich merkte, welches Ausmaß das annahm, wollte ich eigentlich wieder absagen. Aber dann kamen Katrin Dammann und Mary Purdak, und diese Begegnung war so angenehm und die Pläne waren so überzeugend, dass ich mich in dem Projekt wohlfühlen konnte. Auch bei der Vorbesprechung mit Frau Stibane erfuhren wir Frauen sehr viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Dank an alle Frauen, die dies erdacht und ausgeführt haben und weitermachen wollen.
Dazu der Schiller-Spruch (ist am Gebäude des Stadttheaters eingraviert): Aus der Kräfte schön vereintem Streben ergibt sich wirkend erst das wahre Leben.“
Marianne Meyer

Ich fühlte mich gewertschätzt, als ich plötzlich mein Leben abgedruckt sah in der Broschüre.
Silvia Fahima

„Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl bei diesem Projekt dabei zu sein. Die erste Begegnung mit allen Beteiligten war interessant. Die Ausstellungseröffnung habe ich ganz besonders wohltuend empfunden. Es herrschte eine gute Atmosphäre geprägt von gegenseitiger Wertschätzung. Das hat mir sehr gut getan und ich bin sehr dankbar dafür.“ Silvia Fahima

„Meine Enkel haben beim Lesen der Ausstellungsbroschüre Geschichten über mich erfahren, die sie vorher nicht kannten. Dadurch sind meine Enkel und ich noch einmal ganz anders ins Gespräch gekommen. Ich konnte ihnen noch so viel mehr über mich und mein Leben erzählen. Für mich war das Projekt eine wunderbare Erfahrung mich einmal intensiv mit meiner Vergangenheit auseinander zu setzten. Es brauchte etwas Mut damit an die Öffentlichkeit zu gehen, aber es war sehr spannend.” Reni Hessler

„Da ich Lehrerin bin und viel Spaß habe Deutsch zu unterrichen, gebe ich zwei “Gila-Frauen” Deutsch Unterricht. Wir treffen uns regelmässig, jeden Mittwoch bei mir und dafür bringen mir die Frauen ein warmes Mittagessen. Das ist wunderbar bereichernd für beide Seiten.” Ika Bordasch

Ich hatte das Gefühl gesehen zu werden.
Renate Giersch

„Durch einen schlimmen Unfall bin ich seit 40 Jahren an den Rollstuhl gebunden. Durch das “Gila” Projekt habe ich neuen Lebensmut erhalten. Ich habe im November 2018 vor einer ca 40 Jugendlichen in der Ricarda-Huch Schule in Giessen gesprochen über Behinderung und Anders-Sein. Es war mucksmäuschen still. Die Jugendliceh waren interessiert, stellten Fragen und ich hatte das Gefühl wahrgenommen und gesehen zu werden. Ausserdem habe ich viele neue Freundschaften geschlossen. Ich freue mich auf jedes Treffen, aber durch die neu enstanden Freundschaften werde ich auch so öfter zu Hause besucht. Und ich habe meine Lebensfreundin gefunden. Das so ist wunderbar.” Renate Giersch

Wir sind zu eienr tollen Gemeinschaft zusammen gewachsen.
Lore Kübler

„Ich freue mich, dass wir uns alle durch das Gilas-Projekt so gut kennengelernt haben. Bei jedem Treffen, das auch in der Zeitung angekündigt wird, bereitet eine der Frauen einen Vortrag vor mit einem Titel ihrer Wahl. Das ist manchmal eine persönliche Geschichte, aber auch zum Thema Lachsfischerei, politische Verhältnisse in den Phillippinen und über die Arbeit eines Mentor haben wir etwas erfahren. Ich bin nun 91 Jahre und ich finde es toll, dass wir hier die Möglichkeit haben, über das zu sprechen, was uns interessiert. Ich habe in einer Schule gesprochen und die Kinder waren ganz still, als ich von meinen Kriegserlebnissen gesprochen habe. Aber auch auf dem Studienseminar (Hessische Lehrkräfteakademie Studienseminar für Grund-, Haupt-, Real- und Förderschulen) waren die jungen Lehrerinnen daran interessiert mit uns zu diskutieren über unsere Erfahrungen und Erlebnisse. Wie wir damals erzogen wurden und wie unsere Schulzeit aussah. Es ist etwas sehr Schönes, wenn man merkt, dass einem zugehört wird und das man noch etwas zu sagen hat. Jede Frau ist etwas ganz besonderes.”Lore Kübler