An alle junge Frauen: Verliert nie den Mut und setzt euch selbstbewusst Ziele.

An die ersten 5 Jahre ihres Lebens hat Ika Bordasch keine Erinnerung mehr. Nach der Flucht aus Jugoslawien nach Deutschland wurde die kleine Ika im Landkreis Darmstadt heimisch.

Als Älteste von 5 Geschwistern war sie ein braves katholisches Arbeitermädchen vom Lande, von dem sie jetzt sagt; „Ich war damals eingeschränkt in drei Kategorien: Durch die Religion, also emotional, als Arbeiterkind mit null Aufstiegschancen und durch die ländliche Umgebung, in der ich aufwuchs. Und trotzdem bekam ich die Chance, mich zu entwickeln.“ Der Vater von Ikas Freundin, ein Pfarrer, wollte seine Tochter nicht den langen Weg alleine in die Stadt fahren lassen. Und so meldete er Ika mit seiner Tochter zusammen am Bensheimer Mädchengymnasium an, da Ikas Eltern sich nicht mit dem Schulsystem in Deutschland auskannten, – wie es manchmal auch heute Migrantenfamilien geht. So hatte Ika Bordasch das Glück, zusammen mit ihrer Freundin das Gymnasium zu besuchen.

Nach dem Abitur studierte Frau Bordasch in Gießen Lehramt für Grund-, Haupt- und Realschule bis zum 1. Staatsexamen. Aber bei einer Hospitanz in einer Schule wurde ihr klar, dass sie den Kindern nicht nur mit Lehrstoff helfen wollte. Sie wollte die Kinder nicht „in Schubladen packen“, sondern ihnen helfen, ihr eigenes Potenzial zu entwickeln. So begann sie mit dem Studium der Sonderpädagogik. Schon in ihrer ersten Stelle war sie in schulischen Gremien aktiv und genoss die enge Zusammenarbeit mit den Eltern, denen sie mit Tipps bei der Kindererziehung eine große Hilfe war. Umso schlimmer war für Frau Bordasch, als sie durch ihre schwere Krankheit gezwungen wurde, ihren Beruf aufzugeben. Plötzlich war sie abgeschnitten von ihren Kolleginnen, den Schülern und den Eltern – von ihrem Leben.

Trotzdem hat sie den Mut nie verloren. Mit Therapien kämpfte sie sich zurück ins Leben und begann, es wieder neu zu entdecken. Langezeit engagierte sich die lebenslustige Frau in der Stadtpolitik in verschiedenen Gremien. Sie hat wunderbare Freunde auf der ganzen Welt, mit denen sie vor kurzem ihren 70. Geburtstag feierte. Eine starke Frau, die sich mit starken Farben umgibt: Ihre Wohnung ist gefüllt mit den farbenfrohen Bildern ihrer Freundin, einer Malerin aus Frankfurt.

Frauengleichberechtigung ist für Frau Bordasch ein wichtiges Thema. Nach ihrer Meinung sollten Frauen von heute weiterhin mit geschärftem Blick für die Gleichberechtigung in Familie und Arbeitswelt eintreten. Sie sollten nicht nur einen Beruf erlernen, sondern sich auch selbstbewusst Ziele setzten. „Greift nach den Sternen und habt den Mut, Dinge zu verändern,“ rät Frau Bordasch mit funkelnden Augen. Und sie hat noch so viel mehr zu sagen.