Das „Lernen mit allen Sinnen“ und „Frauen in der Kunstpädagogik“ wurden in Frankfurt zu Prof. em. Dr. Adelheid Sievert wissenschaftlichen Arbeitsbereichen.

Adelheid Sievert wurde Anfang 1944 im Schwarzwald bei der Familie ihrer Mutter geboren und wuchs nach dem Kriegsende in Detmold als „große Schwester“ von zwei jüngeren Brüdern mit ihrer Familie im Haus der Großeltern väterlicherseits auf.

Nach dem Abitur am Detmolder Mädchengymnasium 1964 begann sie an der damaligen PH in Bielefeld das Lehrerstudium mit den Wahlfächern „Kunst“ und „Werken“. Diesen Weg in die möglichst nächstgelegenen Orte der Lehrerbildung nahmen damals auch viele ihrer Mitschülerinnen, denn der Lehrerberuf galt für Frauen als gute Verbindung von Berufstätigkeit und Familienleben. Aber bereits nach dem ersten Studiensemester verließ Adelheid Sievert Bielefeld, um mit mehr Abstand von zu Hause ihr Studium in Hamburg fortzusetzen.

Von 1964-1967 studierte sie an der Hamburger Universität Erziehungswissenschaft und an der Hochschule für Bildende Künste das Wahlfach „Werkerziehung“ in der Goldschmiede- und Designklasse eines ehemaligen Bauhauslehrers. Nach dem Referendariat für die Lehrämter an Volks- und Realschulen kehrte sie 1969 als wissenschaftliche Assistentin an die Universität zurück. Bei Professor Gunter Otto, einem der sogen. „Päpste“ der Kunstpädagogik, promovierte sie als erste Dokorandin 1975 mit einer Untersuchung zum ästhetischen Verhalten von Vorschulkindern. In den folgenden Jahren verlagerte sie ihren Forschungsschwerpunkt auf die Ästhetische Erziehung in der Grundschule, zu dem sie 1980 habilitiert wurde. Noch im gleichen Jahr wurde sie in Gießen auf eine Professur für die Didaktik der Kunsterziehung in der Primarstufe berufen und wechselte 1984 auf den Lehrstuhl für Kunstpädagogik nach Frankfurt.

Das „Lernen mit allen Sinnen“ und „Frauen in der Kunstpädagogik“ wurden in Frankfurt zu ihren nächsten wissenschaftlichen Arbeitsbereichen. Als eine der wenigen jüngeren Professorinnen war sie an der Goethe-Universität sofort in zahlreichen Gremien und vor allem in Berufungskommissionen als Frauenvertreterin einbezogen. Mit selbst organisierten Tagungen zur „Frauen Kunst Pädagogik“ gelang es ihr ab 1990 Wissenschaftlerinnen im Fach bekannt zu machen,so daß nach einigen Jahren viele der Referentinnen zu Professorinnen berufen waren. Obwohl Frauen noch oft um ihre Anerkennung als Kolleginnen kämpfen mussten, sieht sie diese Jahre doch als Zeit voller Möglichkeiten und findet, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Insbesondere die Veränderungen an den Universitäten in den Jahren nach 1968 eröffneten ihr persönlich völlig neue Karrierechancen. Heute hingegen beobachtet sie, dass Berufsanfängerinnen es schwer haben, nach dem Examen eine angemessene Stelle zu bekommen.
Nur mit viel Flexibilität, Beharrlichkeit und Selbstvertrauen und einer Portion
Glück finden sie eine Berufstätigkeit mit Perspektive.

(Text: Prof. em. Dr. Adelheid Sievert)