Junge Frauen sollten die Möglichkeit haben sich zu entfalten um ein selbstbestimmtes Leben kennenzulernen.

Gisela Cordes wurde 1941 in Hagen als fünftes von sieben Kindern geboren. Um das Überleben der Familie zu sichern, floh ihre Mutter 1943 mit den sieben Kindern zu ihrem Bruder auf sein Gut in Mecklenburg-Vorpommern.

Sie fanden in dem kleinen Verwalterhäuschen ein neues Zuhause. Zeitweise suchten dort über 40 Menschen Zuflucht, vor allem, als später die großen Flüchtlingsströme aus dem Osten einsetzten. Als Frau Cordes dieses Dorf 1991 noch einmal besuchte, empfand sie deutlich: „Hier war ich glücklich!“ Denn die Schrecken der Bombennächte im Ruhrgebiet waren vorbei und die Kinder konnten wieder ungehindert im Freien spielen.

Krankheiten gehörten schon in der Kindheit zu ihrem Leben, und sie lernte, Schmerzen als Teil des Lebens zu akzeptieren. Dies empfindet sie heute, wo das Alter so manche Probleme mit sich bringt, als sehr hilfreich.

“Die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu begleiten, war mein größter Wunsch.”
Gisela Cordes

„Die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu begleiten, war mein größter Wunsch“, sagt Gisela Cordes, und sie ermöglichte sich diesen Traum durch das Lehramtsstudium in Freiburg. Nach dem Examen 1966 arbeitete sie im Siegerland als Lehrerin für Geschichte und Französisch am Gymnasium. Sie liebte diesen Beruf. „Denn in den Jugendlichen steckt so viel, und es ist etwas Wunderbares, dies zu entdecken und zu fördern.“ 2001, nach dem Ende ihrer Berufstätigkeit, zog sie nach Gießen, da sie hier mit Freunden sehr verbunden ist. Sie engagiert sich bis heute im „Forum Alter und Jugend e.V.“, leitete in diesem Verein lange Jahre die Theaterwerkstatt und das Projekt Grundschulpaten und ist heute Vorsitzende des Vereins.

Viel Raum nimmt in ihrem Leben das gemeinsame Musizieren mit Freunden ein. In Sachen Gleichberechtigung von Männern und Frauen findet sie, daß im Vergleich zu ihrer Jugendzeit vieles besser geworden ist: Es bleibt zwar noch eine Menge zu tun, doch haben z.B. Frauen heute bessere berufliche Chancen als früher. Und gern beobachtet sie, wie intensiv sich nicht nur Mütter, sondern auch Väter um die Kinder kümmern.

„Ich erlebe des öfteren, daß Frauen erst nach dem Tod ihres Ehepartners eigenständig werden, sich entfalten und ein selbstbestimmtes Leben kennenlernen. Das ist sehr schade.“

„Trau dich, deinen eigenen Weg zu gehen!“, ruft sie den Frauen von heute zu.
Als sie sich nach dem Interview ans Klavier setzt, vibriert die Luft von ihrer Energie und ihrer Freude an der Musik.