Glaube an dich, folge deinem Herzen, sei mutig, vertraue auf deine Stärken.

Petra Höring wurde 1941 im Krieg geboren. Ihr Elternhaus auf dem Giessener Seltersweg wurde völlig von Bomben zerstört.

Der Vater war im Krieg, sie war mit der Mutter in deren Elternhaus in den Vogelsberg geflohen. Dort ging sie zur Schule und erlebte eine unbeschwerte Kindheit in ländlicher Natur. 1945 kam ihr Vater aus dem Krieg zurück und baute sein Geschäft, das Herrenbekleidungshaus Köhler, mühsam zwischen Trümmern wieder auf. Petra Höring gefiel es gar nicht, als 10-jährige die wunderschöne Natur des Vogelsbergs verlassen zu müssen und mit ihrer Familie im grauen, zerbombten Gießen zu leben, wo die Eltern eine neue Bleibe gefunden hatten.

Nach dem Abitur auf der Ricarda-Huch-Schule studierte Petra Höring BWL, Psychologie und Soziologie in München, Marburg und Frankfurt. Das BWL Studium zeigte sich nützlich, als sie mit 23 Jahren nach dem frühen Tod des Vaters das Bekleidungsgeschäft mit mehr als 30 Angestellten übernahm. Sie führte das Geschäft 6 Jahre erfolgreich, stellte aber fest, dass andere Interessen und Lebensziele ihr wichtiger waren. Mittlerweile war sie verheiratet und hatte Kinder. So verkaufte sie das Geschäft und legte das Geld so an, dass der Unterhalt der Familie gesichert war, sie Zeit hatte für ihre Kinder und sich ihren Neigungen entsprechend weiterbilden und später selbständig machen konnte. Es folgten eine Ausbildung zur Ehe- und Familienberaterin, später noch zur Mediatorin, sie war Organisatorin und Kursleiterin der Gießener Elternschule, bildete sich am heutigen Horst-Eberhard-Richter-Institut weiter und eröffnete 1985 ihre eigene Praxis. Hier arbeitete sie beraterisch und therapeutisch über 25 Jahre, war im Bundesvorstand der BAFM (Berufsverband der Mediatoren) aktiv, und kann sagen, dass sie neben allem ihre oft langjährigen Freundschaften pflegen konnte und ihre 4 Kinder zu tüchtigen, liebevollen Menschen erzogen hat.

Nach 22 Jahren Ehe mit vielen Höhen und Tiefen kam die Scheidung 1990. Petra Höring begleitete ihre Kinder ins Erwachsensein und dann, 2008, als sie überhaupt nicht damit rechnete, lernte sie ihren heutigen Mann kennen und heiratete mit 70 zum zweiten Mal im Kreis ihrer beider großen Familien. Trauzeugen waren ihre – zusammen mit ihrem Mann – 7 erwachsenen Kinder; ein unvergesslich schönes Familienfest. Ab 2012 übernahm sie weniger Aufträge in eigener Praxis und verstärkte ihr ehrenamtliches Engagement bei „Hallo Welt“, „Eltern helfen Eltern“ und dem „Jugend-Ehrenamtspreis“. Sie unternimmt mit ihrem Mann viele Reisen, auch zu Kindern und Enkeln und ist sehr glücklich in ihrem lebendigen Leben. Petra Höring genießt am Alter, dass sie nun weniger Pflichten und Termine hat und alles gelassener angehen kann. Sie sagt, man muss nicht mehr zu allem kritisch Stellung nehmen, kann großzügiger und nachsichtiger sein und sich über alles freuen, was gut ist.

“Die Schwierigkeit der Frauen, Arbeit und Familie zu verbinden ist nach wie vor brisant.”
Petra Höring

Junge Frauen haben heute ihrer Meinung nach noch komplexere Aufgabenstellungen und weniger vorgeprägte Rollenbilder als früher. Die Schwierigkeit der Frauen, Arbeit und Familie zu verbinden ist nach wie vor brisant. Änderung im Denken der Arbeitgeber ist gefragt und noch mehr Unterstützung von Seiten des Staates. Auch die Männer können mithelfen und sich z.B. mit flexiblen Arbeitszeiten mehr in die Familie einbringen. Noch immer sind es die Frauen, die den Großteil der Familienorganisation übernehmen. Den jungen Frauen wünscht sie, dass sie sich selbst und ihre Fähigkeiten gut kennen lernen, um sich neben ihrem Verstand auch auf ihr „Bauchgefühl“ verlassen zu können und so die richtigen Entscheidungen für ihr Leben treffen. Wenn sie Kinder haben wollen, sollten sie wissen, dass es trotz aller Hilfsangebote wichtig ist, dafür auch genügend Zeit zu haben und einen Partner, der sich diesem Gedanken genau so verpflichtet fühlt.

(Text: Petra Höring)